Januar25
Pünktlich zum Feierabend versah gestern Väterchen Frost die Landschaft mit einer wenig Zentimeter hohen weißen Puderschicht. So lass ich mir den Winter gefallen. Frostige Temperaturen und ein Hauch von Schnee. Nachteil statt der regulären 20 Minuten dauernden Heimfahrt brauchte ich 40 Minuten. Blechlawinen quälten sich Stoßstange an Stoßstange über die winterlichen Straßen Lübecks. Froh in meiner Straße einen Parkplatz gefunden zu haben, schilderte ich mit meinen Schuhen zur Eingangstür. Schon ahnend, dass am nächsten Morgen enteisen und entschneen angesagt war. Später als gewohnt verließ ich am heutigen Morgen das Haus. Dachte so dem Berufsverkehr zu entfliehen und mit wenig Verspätung im Brüo einzutreffen. Weit gefehlt. Im Verkehrsfunk sagten sie eine Vollsperrung der zu passierenden Autobahn durch. Nach Alternativen suchend, ließ ich die Altstadtinsel links liegen. Es war ein Fehler. Schon am ersten Kreisel ging nichts mehr. 10 Minuten stand ich. Noch auf fliessenden Verkehr hoffend, setzte ich die Fahrt fort. Am nächsten Kreisel dauerte es 20 Minuten. Diesen erfolgreich überquert stand ich dann eine geschlagene halbe Stunde in der Ausfallstraße. Es sollte der längste Stau auf meinem heutigen Arbeitsweg werden. Danach ging alles zügig. Der Wintereinbruch und die Speerung der Autobahn sorgten für ein Verkehrschaos auf Lübecks Straßen. Eine satte Stunde habe ich heute für nicht mal ganz 10 Kilometer gebraucht. Auf Schusters Rappen wäre ich schneller gewesen. Es ist schon erstauntlich wie viele LKWs Güter über die Straßen transportieren. Die moderne Lagerhaltung findet auf den Autobahnen und Landstraßen statt. Auf allen drei Spuren standen die Brummis auf der Autobahn kilometerlang. Es ging nichts mehr.
September22
Die Last der Arbeit ruht und man hat viel Zeit. Versucht sich treiben zu lassen. Vergessenes nachholend. Einfach entspannend auf dem Sofa sitzend und in die Dummbox glotzend. Dabei zeigt sich der Spätsommer von seiner schönsten Seite. Wärmende Sonnenstrahlen zwinkern durch die sich lichtenden Bäume und laden zum Freigang ein. Nachdem ich so oft meine Heimatstadt verunglimpfte, ist es an der Zeit für die alte Dame eine Lanze zu brechen. Die Altstandtinsel von Wasser umgeben. Wege mit herbstlichen Laub und den Geruch von Wasser in der Nase habend, kann man sich wirklich in Lübeck verlieben. Kultur und Einkaufsmöglichkeiten gibt es. Die Cafehauskultur entwickelt sich und viele kleine Gassen mit alten, backsteinernden Häusern laden zum Entdecken ein. Schon schön. Aber einst ist ein ständiges Ärgernis. Lübecks Straßen und Verkehr. Grausam. Am besten man ist radelnd oder auf Schuster Rappen unterwegs. Dann und nur dann macht Lübeck wirklich Spaß. Ich liebe Lübeck.
Juli29
… pflegte mein Opa immer zu sagen. Scheinbar haben sich die Betreiber des Lübecker Herrentunnels, dies auch gesagt. Wenn schon wesentlich weniger Autos den mautpflichtigen Tunnel nutzen (statt prognostizierten 37.000 Fahrzeuge nur 22.000), erhöhen wir einfach den zu entrichtenden Obolus von 90 € auf 1,10 € pro Strecke. Sicherlich lässt sich so das Defizit ein wenig in Grenzen halten, aber was passiert, wenn statt derzeit 22.000 Fahrzeugen zukünftig nur 10.000 die Trasse nutzen. Wird dann die Abgabe nochmals erhöht? Was passiert wenn endlich die Nordtangente steht? Die Dummen sind mal wieder die kleinen Steuerzahler und Pendler die beruflich auf die Durchfahrt angewiesen sind.
Juli17
Nicht nur auf den Autobahnen werden pünktlich zum Ferienbeginn Baustellen eingerichtet. Die Mineralölgesellschaften und der Staatssäckel reiben sich die Hände. Es scheint so, dass Lübeck dem nicht nachstehen will. An vielen Ecken in Lübeck beherrschen die Straßenbauer das Bild. Gleich mehrere Baustellen bringen den Verkehr in den Stoßzeiten zum Erliegen. Für den Ausstehenden hat es den Eindruck, dass viele Maßnahmen nicht koordiniert sind. Statt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, schieben sich die Parteien und Interessenverbände gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Wahrlich schmunzeln bringt einen der folgende Bericht aus den Lübecker Nachrichten:
Die Eric-Warburg-Brücke wird Ende des Jahres fertiggestellt, am Lohmühlen-Kreisel und auch an der Einsiedelstraße, der Zufahrt zur Brücke, geht es gut voran. Nur auf der anderen Seite der Trave, am Ostufer, tut sich bisher nichts. Am Konstinkai endet bisher die Brücke und somit auch die Nordtangente. Es fehlt der Anschluss zur Hafenstraße. Doch die Arbeiten dafür sind, so Langentepe, noch nicht einmal ausgeschrieben. LN-online 12. Juni< /small>
Nicht das es sich bei diesem Verkehrsprojekt um Peanuts handelt. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf insgesamt 72 Millionen €. Bei einer solchen Projektgröße verliert man leicht den Überblick und es ist sicherlich nur menschlich, dass auf der einen Seite der Trave die komplette Anbindung steht, während auf der anderen die Brücke ins Nichts führt. Also ich weiß ja nicht! Gibt es für einen solchen Vorgang keine Checkliste oder Ablaufpläne? Aber schön zu lesen, dass der Ruf nach einer Schwarzliste laut wird und die Schuld schnell mal auf andere abgeschoben wird.. Selbst mit Ausschreibungen beruflich geschlagen, kann ich darüber nur milde lächeln. Viele dieser Ausschreibungen strotzen vor sachlichen Fehlern und dem Schlendrian ist Tür und Tor geöffnet. Es gewinnt ja meistens der kostengünstigste Anbieter. Also sollte sich die lieben Herrn Entscheider nciht mal an die eigene Nase fassen und nicht immer auf Teufel komm raus, hauptsächlich nach unten rechts schauen, sondern das Gesamtpaket betrachten. Letztlich sind es ja unsere Steuergelder, die da den Bach runtergehen.
Bitte nicht falsch verstehen! Ich finde es toll, dass sich in Lübeck verkehrstechnisch etwas bewegt. Es wurde ja auch Zeit. Aber alles auf einmal! Umbau des Lohmühlentellers, Umgestaltung der Finkenstraße und und und …
Da fahre ich doch bei schönen Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit. Tue etwas für meine Gesundheit und bin obendrein schneller daheim.
Juni1
Als erstes Bundesland wird Rheinland-Pfalz nach den Worten von Ministerpräsident Kurt Beck den Kindergartenbesuch “komplett beitragsfrei” machen. In einem dpa-Gespräch kündigte der SPD-Chef einen “familienpolitischen Stufenplan” bis 2010 an. Dazu gehöre ein massiver Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren, ein schrittweise aufbauender Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Zweijährige, Sprachförderung und das jetzt schon beschlossene beitragsfreie letzte Jahr im Kindergarten.
Quelle. Lübecker Nachrichten
Gerade aus einem Kurzurlaub aus Trier zurückgekehrt, finde ich in meiner heimischen Gazette oben stehenden Nachricht. Geistert nicht seit geraumer Zeit durch den deutschen Blätterwald das in Deutschland zu wenig Kinder geboren werden, da die Nachkommenschaft nur Geld kostet, hat diese Nachricht Charme. Aber die Frage der Finanzierung wird bleibt ungeklärt. Im Grunde finde ich die Idee gut. Aber ich traue den Aussagen unserer lieben Politiker derzeit nicht mehr. Häufig habe ich den Eindruck, dass es nur darum geht, sein eigenes Nest möglich sauber zu halten und an den eigenen Profit / Fortkommen zu denken. Aber im Grunde tun wir das doch alle und Politiker sind auch nur Menschen. Werden in der heutigen Gesellschaft, diejenigen nicht ausgenutzt für die Pflichtbewußtsein, soziale Kompetenz und Einsatz keine Fremdwörter sind? Aber ich schweife ab.
Ein paar Tage später oder früher (ich weiß nicht genau) wurde in der hiesigen Zeitung damit geworben, dass meine Heimatstadt für junge Familien attraktiver werden will. Im Grunde ein tolle Idee, denn Lübeck ist wirklich schön und hat eine Menge zu bieten. Wie so häufig wird der gute Ansatz in den nächsten Wochen durch negative Schlagzeile torpediert. Auf einmal solllen Spielplätze geschlossen werden, Sportangebote bezahlt werden oder gar Arbeitsplätze aufgrund von leeren Kassen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit abgebaut werden. Wie kann man auf der einen Seite feststellen, dass Lübeck überaltert und auf der anderen Seite die notwendigen Angebote verknappen? Wenn ich den Gedanken hegen würde, eine Familie zu gründen ist für die Wahl des Wohnortes das Angebot für den Nachwuchs sehr entscheidend.