November28
Einer der größten Parteien Deutschlands tagt in Dresden. Ein Flächenbrand innerhalb der Partei konnte verhindert und die Länderfürsten hinter der Kanzlerin wieder ins Glied gebracht werden. Und schon wieder erzörnen sich die Geister. Diesmal geht es um den “westdeutschen” Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Bezug des Arbeitslosengeldes nach den Beitragsjahren zu staffeln. Im Grunde ein Vorschlag, den ich nicht mal so schlecht finde. Warum soll jemand der jahrelang Arbeitlosengeld eingezahlt hat nicht länger Unterstützung erhalten, als derjenige der nur kurz seinen Obulus entrichtet hat. Zumal es im Alter schwieriger wird eine feste Anstellung zu finden. Der Unmut kommt diesmal aus dem Osten. Die “ostdeutschen” Arbeitnehmer hätte ja früher keine Möglichkeit zu Einzahlung gehabt. Das ist richtig. Dafür flossen in den vergangenen Jahren zahlreiche Steuergeld in die neuen Bundesländer, um diese Benachteiligung zu beheben. Im ehemaligen Zonenrandgebiet lebend, entsteht auf mecklenburgischen Boden ein neues Gewerbegebiet mit sehr interessanten Förderungsmöglichkeiten. Zahlreiche Firmen verlassen meine Heimatstadt und siedeln sich im neu entstandenen Gewerbegebiet an. Wir zahlen jetzt zig Jahre in den Aufbau Ost ein und Infrastrukturmaßnahmen in den alten Ländern bleiben aufgrund von leeren Kassen auf der Strecke. Es ist genug. Wer einen Grund findet, warum und weshalb Dies und Jenes eine Benachteiligung für eine Bevölkerungsgruppe darstellt, wird sicherlich immer etwas finden. Zumal wenn es an den eigenen Geldbeutel geht. Es ist zwar bedauerlich zu sehen, welche Leistungen unsere Eltern noch vom Staat erhielten, die unserer Generation gestrichen werden. Eines sollte allen klar sein, der Sozialstaat in der jetzigen Form kann nicht überleben. Und darum sollte, wer länger in die Arbeitslosenversicherung einzahlt auch etwas länger davon haben.
November17
Der zwölftätige Klimagipfel endet mit einem Minikompromis. 70 Minister und unzählige Mitarbeiter trafen sich in diesem Jahr in Nairobi um über Maßnahmen zum Stoppen des Anstieges der Erdtemparatur zu verhandeln. Es schien lange, ob der Gipfel ohne ein Ergebniss beendet wird. Kurz vor Tore Schloß verständigten sich die Delegierten darauf, das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz bis 2008 zu beobachten, um dann für das Jahr nach 2012 neue Emissionsqouten festzulegen. In meinen Augen stehlen sich die Delegierten mit diesem faulen Kompromiss aus der Verantwortung. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass sich die Emission von schädlichen Gasen bis zu diesem Zeitpunkt erhöhen wird. Alleine schon durch die Industriealisierung in den bevölkerungsreichsten Staaten China und Indien. Die Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet. Sicherlich wurde mal wieder mit der Verlagerung von Investitionen oder der Streichung von Arbeitsplätzen gedroht. Schon verrückt, dass 70 Minister und unzählige Begleitpersonen um die halbe Welt jetten, um über Klimaschutz zu palavern. Wäre interessant zu erfahren, ob einige Länder durch den Kauf von entsprechenden Zertikaten die Energiebilanz ausgeglichen haben. Vage mal ne Tipp: Nur die Wenigsten.
Oktober24
Schaue ich aus dem Fenster ist das Grün der Birke einer leichten Gelbfärbung gewichen. Untrügerisches Zeichen die dunkle Jahreszeit beginnt. Man steht im Dunklen auf. Sitzt acht oder mehr Stunden im Büro und kommt völlig erledigt nach Hause. Der erste Griff in den eigenen vier Wänden gilt dem Lichtschalter. Künstliches Licht taucht die Wohnung in eine angenehmere, hellere Atmosphäre. Draußen dunkelt es. Tagsüber sitzt man bei Temperaturen um die 15 Grad und Sonnenschein im Büro. Ein Spaziergang wäre der richtige Zeitvertreib. Das eine oder andere Photo schießend. Kommendes Wochenende wird die Uhren umgestellt. Wenigsten steht man dann nicht mehr bei pechschwarzen Himmel auf. Aber dieser Zustand vergeht zügig. Ist die Sommer - oder Winterzeit die richtige Zeit? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls bedeutet Herbst für mich Stürme, Kälte, Regen und tiefe Temperaturen und nicht Dunkelheit, Nässe und 15 Grad. Aber scheinbar sind das die Folgen der globalen Erwärmung. Die Sommer werden heißer und trockener mit rapiden Wetterumschwüngen. Ein Gutes hat zumindest die dunkle Jahreszeit. Die Geldsäckel der Energieunternehmen füllen sich. Trotz Gewinne wird mit Arbeitsplatzabbau und Investitionskürzungen am Standort Deutschland gedroht, wenn die Staatsmacht reglementierend eingreift.
Oktober14
Seit 1970 sprechen wir von einer Dienstleistunggesellschaft. Im Industriesektor schritt die Automatiserung voran und Arbeitsplätze gingen verloren. Gleichzeitig wuchs der Bedarf nach Industrieprodukten. Der Dienstleistungsektor entwickelte sich. Die produzierende Unternehmen verlagern teure händische Arbeitsabläufe in Ländern mit niedrigen Lohnkosten. Die Folge neue Arbeitsplätze entstanden und entstehen in Unternehmen, die sich auf das Dienen spezialisierten. Mittlerweile wachsen die Bäume selbst in diesem Bereich nicht mehr in den Himmel. An allen Ecken werden Mitarbeiter eingespart bzw. die Arbeit auf Kunde König verlagert. Die Post spart mit der prämierten Packstation gleich zweimal. Teure Filialen zur Annahme von Postpaketen können geschlossen werden und die aufwendige Zustellung entfällt. Banken raten Ihren Kunden zum Onlinebanking. Bankberater werden rationalisiert. Fast food Ketten sprießen aus dem Boden. Ein gelb blauer Möbelgigant hat die Selbstbedienung perfektioniert. 31 Millionen Exemplare mit Wohnbeispielen werden kostenlos an deutsche Haushalte verteilt. Keine Wohnung ohne einen Einrichtungsgegenstand des Möbelgiganten. Der Kunde notiert den Lagerort. Wuchtet Pakete aus dem Regal. Transportiert die Pakete im eigenen PKW. Entfernt und entsorgt die Umverpackung. Baut das gerade gekaufte Möbelstück noch am selben Tag zusammen. Durch die Eigeninitiative spart das Unternehmen Unsummen von Personalkosten. Wir vergeuden, dass kostbarste Gut. Zeit. Zeit die wir mit der Familie oder Freunde verbringen können. Die Dienstleistungsgesellschaft funktioniert bestens und reibungslos in Form der Selbstbedienung. Immer mehr Unternehmen (auch namhafte) machen sich unsere Leidenschaft fürs Selbermachen zu Nutze. Im Zeitalter des Internets findet der Amateur in zahlreichen Foren Problemhinweise. Nur im äußersten Notfall wird ein Fachmann gerufen. Der Kunde wird zum Mitmachen angespornt. Heutzutage wird nicht mehr das Produkt dem Kundenverhalten angepasst, sondern der Kunde dem Produkt. Vom Kunden König ist nicht mehr viel geblieben. Der Kunde ist heute Kassierer, Postbote, Bankberater, Entwickler und Kellner. Hat Kunde König wirklich mal keine Zeit und Lust aufs Selbermachen kann man im Internet unliebsame Aufgaben öffentlich ausschreiben. Auf Plattformen wie My-hammer.de, Jobdoo und Blauarbeit unterbieten sich die Dienstleister, denn der kostengünstigste Anbieter erhält den Zuschlag. Manchmal sogar unterhalb der Fixkosten. Schöne Dienstleistungwelt!
Quelle: Die Zeit Nr. 39 vom 21. September 2006 / zum ganzen Artikel
Oktober14
In meiner Jugend konnte man Taxen ohne Probleme von weitem erkennen. Kam ein hellelfenbeinfarbenes Gefährt um die Ecke geschossen war man sicher, dass es sich dabei um ein Auto zur endgeldlichen Personenbeförderung handelte. Seit knapp einem Jahr hat RAL 1015 ausgedient. Dem Taxigewerbe steht die Fuhrparkfarbgebung frei. Die für Bus und Taxi vorbehaltenen Fahrbahnen bevölkern jetzt schwarze, silberne, rote, grüne oder blaue PKWs. Einzig am bekannten Taxischild ist ersichtlich, dass es sich um ein Taxi handelt. Was wäre London ohne seine legendären schwarzen Taxen, Griechenland oder New York ohne die gelben Droschken? Scheinbar ist es zur Zeit schick vom Althergebrachten abzuweichen und seine Individualität durch eine möglichst auffällige Farbwahl zu unterstreichen. Auch wenn man mich jetzt für einen Traditionalisten bzw. für engstirnig hält, ich liebe die hellelfenbeinfarbenen Taxen und würde auch nur in ein solches steigen. Nicht immer steht Liberalisierung für einen Fortschritt. Gerade in einer sich immer schneller drehenden Welt, können Traditionen und all hergebrachte Werte einen Anker darstellen.